Der dritte Tag unserer Balkanroute hatte es mächtig in sich, 720km und das größtenteils über Landstraße bis Nessebar am schwarzen Meer.
Ich stellte mir den Wecker auf 07:30 Osteuropäische Zeit, da war es in Berlin noch eine Stunde früher und joggte ein paar Runden durch den nahegelegenen Stadtpark von Hunedoara. Der Regen hatte sich über Nacht verdrückt und die Sonne zeigte wieder was in ihr steckt.
Nach einem schnellen Frühstück mit einigen Dingen aus dem nahegelegenen Pennymarkt ging es wieder auf die Piste. Nach einigen Kilometern konnte man gut die Karpaten erkennen… da müssen wir drüber um ans Meer zu kommen.
E81 nahe Valcea
Wiedermal zeigte sich, dass die Waze App sehr schnell auf Störungen und Staus reagiert, denn kurz nachdem die Ausbaustrecke beendet war ließ sie uns von der Hauptstrecke abfahren. Was sie nicht wusste, nur die ersten paar Kilometer waren tatsächlich eine befestigte Straße. Schon bald wurde aus Asphalt erst Beton und dann nur noch Schotterpiste. Die BERTHA musste dann zeigen was in ihr steckt, es waren gut 20km Bergauf und Bergab entlang der sich im Bau befindlichen Autobahn, vorbei an riesigen Baumaschinen quer durch die Baustellen. Als wir dann nach fast einer Stunde über Stock und Stein wieder die Zivilisation erreichten, waren wir froh, diese Strecke gewählt zu haben, weil auf der E81 der Stau inzwischen +90 Minuten anzeigte. Daniela wünschte sich eine Starbucks Tasse aus Rumänien und wir brauchten jetzt auch eine kurze Rast, also ein kleiner Umweg rein nach Bukarest. Die Strecke über die Berge hatte der BERTHA die letzten Reserven abverlangt und so rollten wir mit gerade einmal nem halben Liter Rest in die Tankstelle. Da nun aber immer noch die Hälfte der Wegstrecke vor uns lag, war außer einem kurzen Stopp nicht mehr drin. Es ging Richtung bulgarische Grenze bei Russe über die Donau.
Grenzbrücke bei Russe
Bisher interessierte sich niemand für unsere Ausweise oder Papiere. Das änderte sich nun an der bulgarischen Grenze. Neben dem Check der Persos wurde auch gleich eine Brückenmaut von 5€ kassiert.
Auffallend viele Polizeikontrollen erwarteten uns dann nach 45min. Wartezeit auf bulgarischer Seite. Das hatte dann schon was von Wegelagerei.
Nach gut 10 Stunden on the road erreichten wir dann unser Ziel Nessebar am schwarzen Meer.
Der Südstrand von Rawda
Auch hier war AirBnB ein verlässlicher Partner was die Suche nach einer guten und günstigen Unterkunft anbelangt. Welin hat ein Appartement Haus das gerade mal 100m vom fast menschenleeren Südstrand von Rawda entfernt liegt. Ja, die Zimmer sind klein und ein wenig in die Jahre gekommen aber alleine der sehr gute Preis und dieser kurze Weg zum Strand entschuldigen alles.
Nach einem kurzen Bad im Meer konnten wir uns im örtlichen Lidl mit dem nötigsten versorgen und vielen nach einer Folge Game of Thrones ins Bett.
Der 4. Tag unserer Balkanreise war als Ruhetag in Nessebar geplant. Mit den im Lidl gekauften Lebensmitteln ließ sich ein einfaches Frühstück realisieren und wir machten uns gleich danach auf den Fußweg zur Altstadt. Vorbei an riesigen Hotelanlagen und offensichtlich eingestellten Bauprojekten waren wir gut eine Stunde unterwegs, bis sich zur linken Seite der lange Sunny Beach von Nessebar zeigte und rechts die schon aus byzantinischer Zeit stammende Festung.
Stadtmauer von Nessebars Altstadt
Menschenmassen an Touristen strömten durch das Eingangstor und wir stampften hinterher. Ja, der frisch gepresste O-Saft war lecker, aber mit umgerechnet gut 5€ auch kein Schnappen mehr. Wir liefen bis zur Spitze vor und hatten von dort einen fantastischen Blick hinaus aufs Meer.
Für den Rückweg gönnten wir uns dann einen der Lokalbusse der uns in 20min. nach Rawda brachte. Nach ein paar chilligen Minuten auf Stube ging es natürlich nochmal an den Strand, das Wetter und die Temperaturen stimmten.
Unter dem Eindruck der Tourimassen in der Altstadt hatten wir aber immer mehr den Wunsch weiterzureisen. Ich hatte bei Welin zwar noch 2 Nächte gebucht, aber er versprach uns die zusätzliche Nacht zurückzuzahlen. Als frühes Abendbrot entschieden wir uns für einen handgemachten Chickenburger beim Imbiss um die Ecke und würden nicht enttäuscht.
Damit es uns bei der Weiterreise an nichts fehlt und die BERTHA heute ja ihren freien Tag hat, lief ich nochmal zum Lidl und holte uns ein wenig was ein. Mein bulgarischer Freund Bucho empfahl uns Mastika zu probieren, okay er meinte bestimmt ein eisgekühltes Glas, ich kaufte gleich ne ganze Literflasche. Beim Blick auf das Etikett und der erkennbaren 47% darauf bekamen wir Angst und ließen lieber den Geist in der Flasche.
Auch heute Abend dürfte eine weitere Folge Game of Thrones nicht fehlen und wiegte uns dann in den Schlaf.
Nach meiner morgendlichen Joggingrunde weckte ich Hannes und wir packten unsere Sachen schon in die am Haus abgepackte BERTHA. Ein schnelles Frühstück noch und schon ging die Reise weiter. Während wir am Vortag noch damit liebäugelten einen Abstecher in die wirklich sehr nahe Türkei zu machen, siegte die Vernunft und wir peilten als nächstes Zwischenziel Thessaloniki in Griechenland an.
Die Fahrt ging kurz hinter Burgas zunächst über die Autobahn Richtung Plovdiv, dann aber durch das Patermon-Gebirge auf die mit Mautstationen übersäte E90 zur Unterkunft. Anders als bei den Übernachtungen zuvor, war ich diesmal auf Booking.com reingefallen und ließ mich durch die offensichtlichen Fakes in den Bewertungen leiten. Das Appartement war in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und nur durch einen Zufall war überhaupt ein Parkplatz dort frei. Wir stellten die BERTHA ab, nahmen unsere Koffer und machten uns auf die Suche nach der Unterkunft. Das Gebäude mutmaßte Hannes muss mal ein sehr edles Hotel gewesen sein, die Betonung liegt aber hier ganz klar auf der Vergangenheit. Jetzt waren wir in einer offensichtlich zur Kernsanierung ausgeschriebenen Immobilie gelandet. Die Fahrstühle waren außer Betrieb, wir liefen also Treppen ohne Geländer in der 3. Stock und fanden nach einiger Orientierung die Wohnung 3.3 dort. Okay, die machte zunächst den Eindruck als wäre hier schon die Instandsetzung durch, aber als erstes viel der fehlende Fernseher auf, dann existierte das versprochene WLAN schlicht nicht und als große Überraschung zu späterer Stunde blieb auch das Warmwasser kalt. Egal, wir wollten uns ja noch ein wenig die Stadt anschauen und machten uns also mit den Öffis auf den Weg zum weißen Turm. Am Ticketautomaten stand Out-of-Order, also war unsere Fahrt dorthin for free.
White Tower Thessaloniki
Gerade ausgestiegen, wurden wir von einem so wie er selbst sagte Jamaikaner aus Kingstown angesprochen, der uns in perfektem Englisch seine Lebensgeschichte erzählte und Ehe wir uns versahen, hatten wir zwei Freundschaftsbändchen um das Handgelenk gebunden die mit viel Voodoo von ihm auf und gegen alles versehen wurden, nicht um kurz darauf natürlich uns dafür Kohle aus der Tasche ziehen zu dürfen. Die Show hatte mir aber so gut gefallen, dass mir die drei Bändchen dann das auf 30€ runter gehandelte Honorar wert waren.
Nach unserem Gang um den Turm machten wir uns auf die Suche nach einem griechischen Abendbrot und wurden bei Delicatesen Al Souvlaki fündig. Ein kleiner aber sehr guter griechischer Imbiss an einer Straßenecke mit allem was die Küche dort so hergibt.
Gut gestärkt machten wir uns dann noch auf die Suche nach der Starbucks Tasse Griechenland, die in Daniela’s Sammlung noch fehlte.
Der Weg zurück zur Unterkunft führte uns über den antiken Blumenmarkt Louloudadika. Und da standen sie dann auch, die beiden Olivenbäume die sich Daniela so wünschte. Gut bepackt ging es danach wieder mit dem Bus Richtung Hauptbahnhof, auch diesmal dank Out-of-Order ohne gültiges Ticket.
Delicatessen also Souvlaki
Langsam wurde das Bargeld weniger und bei Allem was so die nächsten Tage noch kommt, nen bisschen was in der Tasche würde nicht schaden. Also noch einen dritten Versuch nach einem griechischen Automaten ohne Gebühren gestartet. Okay, die Nationalbank wollte NUR 2,90€ haben, was verglichen mit allen anderen Instituten ein Schnapper war und ein paar Euros gezogen. Im kleinen Supermarkt an der Ecke gab es noch was zu trinken und zu knabbern und einem Game-of-Thrones Abend stand nichts mehr im Wege (vom nicht funktionierenden WLAN mal abgesehen, aber Griechenland ist EU also konnten wir über unsere Vodafone 360 Flat streamen).
Der Morgen startete mit einer mehr oder minder entsprechend entspannten Joggingrunde um den Bereich des Hauptbahnhof herum. Glücklicherweise fand ich einen kleinen Park über den ich dann sehr zum Leidwesen der dort beheimateten Tauben meine Runden laufen konnte. Mit dem Wissen auch heute nur kalt zu duschen, rannte ich dann zum Appartment zurück. Tilda hatte verschlafen und ging an kein Telefon, zum Glück fand ich irgendwie die alte Festnetznummer raus und konnte Sie erreichen.
Nach besagter Dusche besorgte ich und beiden ein paar frische Brötchen vom Bäcker um die Ecke und wir wollten keine Zeit verschwenden, da bereits gestern Abend festgelegt wurde, wir probieren es heute nach Albanien einzureisen.
Kein allzuleichtes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass dort kein EU-Gebiet mehr ist und minderjährige Reisende allerhand notariell beglaubigter Dokumente bei sich führen müssen, um überhaupt einreisen zu dürfen. Eine Ablehnung an der Grenze hätte für uns einen Tag extra und einen riesigen Umweg über Bulgarien und Serbien bedeutet.
Achtung Bären
Das es hier noch Bären gibt war mir nicht geläufig, aber spätestens nach den zahlreichen Warnhinweisen noch auf griechischer Seite bekam ich etwas Angst beim fahren.
Auf gefühlt seit Jahrzehnten nicht mehr instandgesetzten griechischen Autobahnen führen wir zum Kontrollpunkt Kapshticës an der griechisch-albanischen Grenze. Es war nach so vielen Grenzübertritten tatsächlich ein Posten, der mich stark an über 30 Jahre zurückliegende Fahrten über Grenzübergänge erinnerte. Wir reichten alles was wir an Papieren vorbereitet hatten, ADAC Reiseerlaubnis für Minderjährige, handschriftliche Erklärung von Daniela, Auslandskrankenversicherung, grüne Versicherungskarte und Geburtsurkunde neben unseren Persos durch die Lucke.
Es dauerte nicht lange und alles wurde uns zurückgegeben, die albanische Beamtin wünschte uns eine gute Reise und wir durften unsere Fahrt nach Berat fortsetzen. Ich würde mal sagen Glück gehabt. Als erstes schnell der Familie noch schnell Bescheid geben, dass wir jetzt in Albanien sind und dann schnell die Handys in den Flugmodus, weil jetzt gilt keine EU-Roamingverordnung mehr. Bei Minutenpreisen über 2€ und Internetgebühren in Fantasiehöhen verzichteten wir gerne auf den Luxus erreichbar und online zu sein. GoogleMaps Offlinekarten waren unsere Rettung, trotzdem ans Ziel navigiert zu werden.
Die BERTHA signalisierte uns zwar schon seit einigen Kilometern den Wunsch nach Diesel, ich dachte mir aber das Albanien da der günstigere Tankplatz wäre. Weit gefehlt, mit Preisen ab 175 Lek, waren wir so ziemlich im teuersten Land angekommen, was die Spritpreise betraf. Egal, ich tankte spontan Premium Diesel und löhnte erstmals seit Jahren fast 70€ für die Tankfüllung.
BERTAs neue Kühlerfigur
Ein recht dumpfer Knall erschreckte uns kurz vorher noch auf griechischer Seite. Ich hatte einen Vogel kurz vorher Richting Kühler fliegen gesehen und beruhigte Hannes, der das Geräusch auch gehört hatte. Da wusste ich noch nicht, dass wir inzwischen eine zusätzliche Kühlerfigur hatten. Das fanden wir erst heraus, nachdem wir im Moglicë Gebirge Station machten.
Moglicë Gebirge in Albanien
Durch auffallend gut ausgebaute Passstraßen ging es dann bis in die Stadt der 1000 Fenster nach Berat.
Inesa bot uns über AirBnB eine kleine Villa an. Preis-Leistung war top und schon beim einbiegen auf die kleine Seitengasse erkannte man, wir bewegen uns jetzt auf uraltem historischen Grund.
Angekommen mussten wir uns über das WLAN Iim Haus erstmal bei der Familie melden. Ich schaute im GoogleMaps nach einem Geldautomaten in der Nähe, um und mit albanischen Lek zu versorgen.
Der ausgewiesene Geldautomat in 300m Entfernung entpuppte sich als Fake. An der Stelle gab es ein in die Jahre gekommenes Wohnhaus aber kein Bargeld. Ich lief also wieder GoogleMaps offline folgend die Straße weiter um einen Raiffeisen Automaten zu finden. Den gab es an angezeigter Stelle auch nicht mehr, dafür aber einen privaten Automaten. Gebühren waren mir bei inzwischen über 30 Grad jetzt eher egal. Also BarclaysKarte rein, Auszahlung heute nicht gut möglich. Revolut Karte das selbe. Verdammt, Ich war jetzt schon ne halbe Stunde unterwegs, Hannes wartete und konnte ja wegen fehlendem Internet nicht kontaktiert werden und viel schlimmer, Bargeld hatte ich auch noch keins. Meine letzte Hoffnung war dann ein Geldautomat an de alten Stadt. Das waren dann nochmal +2km bis dorthin. Das klappte dann aber wenigstens. Mit einigen Tausend Lek machte ich mich dann auf den Rückweg zu Hannes. Nicht ohne wenigstens im Vodafone Albania Shop nach einer Prepaidkarte fürs Handy zu fragen. Bei über 25€ und wenn ich die Karte dann in Montenegro oder Bosnien nutzen will kommen nochmal 8€ dazu, war mir der Aufwand schlicht zu groß.
Nach über 1 1/2 Stunden kam ich dann total ausgelutscht wieder in der Villa an. Hannes war inzwischen stinksauer, was verständlich war. Wir ließen keine weitere Zeit verstreichen und machten uns an den Aufstieg zur Burg von Berat.
Direkt von der Villa aus war es nur ein 20minütiger Weg den Berg hoch und der Ausblick von dort oben entschädigte gehörig.
Ich hatte im Haus noch noch einem original albanischen Restaurant gegoogelt und fand genau auf der Burg das Zeri. Wir suchten nicht lange und wurden von der Chefin des Hauses in gebrochenem Englisch an einen der vielen Tische gebeten. Es gab feinstes albanisches Essen und die Wahl war hervorragend. Ihr Sohn Bruno servierte uns einen Mix aus Vor- Haupt- und Nachspeisen, der keine Wünsche offen ließ.
Stadt der 1000 Fenster
Der Abstieg vom Bergfried führte uns in die touristisch belebten Altstadtgassen von Berat. Am Tor des Pasha hielten wir kurz vor inne, um uns einen feinen albanischen Wein zu gönnen. Für Hannes durfte es rot sein, ich blieb bei einem halbtrockenen Weißwein.
Durch die doch gut gefüllten Straßen bewegten wir uns wieder Richtung Villa und ließen den Abend wieder mit einer Folge Game-of-Thrones ausklingen.
Ich nutzte den frühen Morgen um meine Joggingrunde zu einem wie eine Moschee aussehenden Gebäude unterhalb der Berater Altstadt auszuweiten. Das opulente Gebäude ist aber nichts weiter als ein großes Luxushotel. Ich machte also kehrt und rannte wieder zu Villa zurück.
Jetzt wo wir es also erfolgreich nach Albanien geschafft hatten, wollte ich natürlich die Hauptstadt Tirana nicht auslassen. Ich fand ein B&B in der Stadt und wir machten uns nach dem Frühstück dorthin auf den Weg.
Ich fragte unsere Gastgeberin Inesa noch nach einem Bauern, bei dem wir Olivenöl kaufen könnten. Der Tip mit einem Farmermarkt in der Nähe war aber nicht weiterführend. Wir fanden ihn schlicht nicht und machten uns gen Tirana auf den Weg.
Vorbei an riesigen Olivenbaum Plantagen entdeckte ich eher zufällig ein kleines Schild mit aufgemalter Olive. Dort fuhren wir rein und waren genau richtig. Wir waren in der Fabrikë Vaji Tafani gelandet. Die nette Verkäuferin füllte uns gleich vom riesigen Edelstahltank eine Kostprobe ab und wir kauften gleich 2 Liter feinstem albanischen Olivenöl.
Öl vom Fass
Nach nur knapp 2 Stunden Fahrzeit erreichten wir Tirana. Erwartungsgemäß gab es am Gästehaus keine Parkplätze, also fragte Hannes in einem kleinen Parkhaus in einer Seitenstraße und man ließ uns hinein. BERTHA hatte für heute Pause und wir gingen erstmal die nähere Umgebung inspizieren. Ein kleines Café nicht weit von unserer Unterkunft versorgte uns mit Latte und kostenlosem WLAN. Um 14:00 konnten wir einchecken und machten uns kurz danach auf den Weg die Stadt zu erkunden. Vorbei an jeder Menge Fakeshops mit nachgemachten Klamotten oder Schuhen gelangten wir erst in die Auferstehung Christi Kathedrale und dann die berühmte Et‘hem Bay Moschee. Quer über den Skanderberg Platz ging es noch zur Villa von Honxa dem langjährigen Diktator und nach gut 2,5 Stunden Fußmarsch zurück in die Unterkunft.
Honxa Villa
Zum Essen haben wir uns das Restaurant Metropol rausgesucht. Eine perfekte Wahl, halb italienische und halb albanische Küche gab es und einen wirklich sehr netten Chef, der uns seine Geschichte und viel zu Albanien zu erzählen hatte.
Restaurant Metropol
Gut angeheitert ging es dann nochmal auf die Straße mit den vielen Shops mit gefaktem Zeug und nach einer weiteren Folge Game-of-Thrones ins Bett.
Der Morgen in Albaniens Hauptstadt began diesmal mit einem vom Guesthouse für uns bereiteten Frühstück. Da lohnte es diesmal wirklich Preis-Leistung zu beschauen, bei gerade mal 25€ die Nacht und jetzt auch noch Breakfast included kann man nichts falsch machen. Am Frühstückstisch nahm ein älterer Herr mit Platz, der eine Memminger Zeitung ablegte. Hannes hatte das nicht mitbekommen und fing gut an über Morgentoilette und andere Dinge zu erzählen, wusste er ja nicht das der Fremde jedes Wort verstand. Der Knoten löste sich bald und nach einer kurzen Entschuldigung began ein sehr interessantes Gespräch. Er ist seit vielen Jahren Lehrer an einer Sonderschule im Bodenseekreis und fährt schon seit über 15 Jahren nach Albanien und immer noch begeistert, wie es mit diesem Land voran geht.
Mein (vorerst) letzter Whopper in Montenegro 🇲🇪
Die letzten Albanischen Lek zusammengekratzt fürs Parkhaus machten wir uns mit gerade mal 350km auf die wohl kürzeste Etappe, nicht wissend wie anspruchsvoll sie denn eigentlich wird. Schon die Ausfahrt aus Tirana war recht abenteuerlich weil eigentlich alle Regeln außer Kraft gesetzt waren, egal ob rechts überholt oder Vorfahrt geschnitten ohne Augen überall hätte es bestimmt paarmal gekracht. Ursprünglich hatten wir als Zwischenstopp die wunderschönen Strände an der Adria bei Budva geplant, waren aber sehr schnell froh, doch die direkte Strecke nach Mostar gewählt zu haben. Nach über 3 Stunden Fahrzeit, einer Stunde Wartezeit an der Grenze erreichten wir die montenegroriansiche Hauptstadt Podgorica um einen kurzen BurgerKing Stop einzulegen. Whoppermenü für 7,49€ war jetzt kein Schnäppchen aber irgendwas musste ja gegessen werden. Irgendwas schien an meinem Burger nicht in Ordnung gewesen zu sein, Übelkeit und Ausstoßen waren für die nächsten Stunden Programm. Die BERTHA kämpfte sich bis zum Grenzübergang Brdo in ungeahnte Höhen durch, langsam war klar, warum GoogleMaps für die überschaubare Strecke schonmal offline über 7 Stunden kalkulierte. Auch hier mussten wir wieder gut eine Stunde warten, bis wir abgefertigt wurden.
Tierische Begrüßung in Bosnien 🇧🇦
Weiter ging es über schmale und kurvenreiche Straßen bis zu unserem Tagesziel die durch den Bosnienkrieg bekannte Stadt Mostar.
Malerische Landschaften auf dem Weg nach Mostar
Wir hatten über Booking ein bezahlbares Zimmer mit Pool gebucht und für 30€ die Nacht in unmittelbarer Nähe zur Altstadt war es ein Schnapper. Hannes entspannte nach nun fast 10 Stunden on-the-road und ich schwamm eine Weile herum.
Auf dem Weg zur wiederaufgebauten Brücke von Mostar (Stari Most) kamen wir immer noch an Kriegsruinen und vielen Einschlägen vorbei.
Selfie vor der Brücke in Mostar
Nachdem wir unseren Weg vorbei an den Touriströmen gefunden hatten, fanden wir etwas Abseits einen freien Tisch im Restaurant Mystic und hatten dort ein fantastisches Abendbrot.
Das WIFI ließ leider sehr zu wünschen übrig, weder mit dem IPad noch auf dem IPhone war es möglich unsere Sucht nach GOT zu befriedigen. Nur das eigentlich als Navi fungierende alte China Android Dödelphone machte uns die Serie an.
Nachdem wir den wohl südlichsten Punkt unserer Reise bereits mit Thessaloniki durchschritten hatten, ging es heute von Mostar auf direktem Wege an die kroatische Adriaküste.
Ich nutzte den über Nacht doch sehr stark abgekühlten Pool nochmal für ein morgendliches Bad und die örtliche Gasprom-Tankstelle um der BERTHA nochmal günstig Diesel nachzutanken.
Trotz aller Vorwarnungen des Gastgebers nicht den Grenzübergang Nova Sela Richtung Kroatien sondern den weniger überlaufenen in Ljubuski zu nehmen, haben wir erstgenannten Posten genommen und alles Richtig gemacht. Nach gerade mal 10 Minuten Wartezeit durften wir wieder in die EU einreisen und die Vorzüge des regulierten Roamings nutzen. Nach so vielen Tagen ohne iPhone waren wir jetzt wieder online.
wieder EU
Unser heutiges Tagesziel ist das kleine Fischerdorf Sveti Juraj an der kroatischen Adria, Hannes kann sich mit lieben Kumpels aus den Vorjahren und Dario treffen und ich mal ausspannen.
In Šibenik gab es dann endlich ein verspätetes Frühstück bei McD. Wäre schön gewesen wenn man den Deckel zum Latte nicht nur raufgelegt hätte, jetzt schwomm der ganze Tisch sehr zur Belustigung der am Nebentisch sitzenden Deutschen.
Winnetou lässt grüßen am Tulove Grede
Die Route führte uns dann auf der E71 auch durch das Gebirge, dass schon bei den Winnetou Filmen uns allen suggerierte, so sieht also der Wilde Westen aus (war es ja gar nicht, sondern einfach nur Jugoslawien).
Kühles Blondes am Ufer in Sveti Juraj
Pünktlich zum Nachmittag sind wir dann an der Küste angekommen, allen Unkenrufen zum Trotz die BERTHA würde es nicht mal bis zur deutschen Grenze schaffen.
Der Plan an die Plitvicer Seen zu fahren um einmal sich wie am Silbersee zu fühlen haben wir glücklicherweise schon am Abend verworfen um am nächsten Tag vor Ort zu bleiben und zu entspannen.
Perfektes Sommerwetter haben wir an die kroatische Adriaküste mitgebracht.
Nach meiner Joggingrunde die Küstenstraße rauf und runter hat uns Familie Leyser zum Frühstücken eingeladen, also noch schnell ein paar leckere Brötchen vom Bäckerstand am Hafen geholt und den kurzen Weg zu ihrer Unterkunft hochgelaufen.
Heute stand nur entspannen auf dem Programm, also ging es schon vormittags zum Strand.
Sveti Juraj
Bei gefühlten 28 Grad Wassertemperatur und fast windstill konnte man problemlos seine Bahnen ziehen.
Für den Abend hatte Holger noch eine kleine Überraschung parat… es ging mit einem Boot raus aufs Meer.
Sonnenuntergang mal vom Meer aus
Den Abend ließen wir dann gemütlich an der Strandbar ausklingen.
Schweren Herzens machten wir uns heute auf die letzte Etappe unserer Reise Richtung Budapest. Irgendwie war Kroatien viel schöner als gedacht und so hätten wir dort auch noch gerne ein paar Tage aushalten können.
Irgendwie hatte ich gar nicht auf dem Schirm, dass der Weg zu Monika nach Erd uns direkt an Siofok vorbei führt. Dort hatte ich gefühlt jeden Sommer in den 90ern mit meinen Kumpels verbracht und wollte nach so vielen Jahren einfach mal schauen wie es dort jetzt so aussieht.
Strandbad Siófok
Dort wo sich sonst hunderte Badelustige um einen Platz am Strand prügelten bot sich uns ein eher trauriges Bild. Es fährt wohl niemand mehr an den Balaton weil es einfach zu teuer geworden ist. Ich kann mich nicht erinnern, für den Eintritt dort 10€ hinlegen zu müssen.
Balaton
Umso schöner war die Leere dann am Strand, nach hunderten Metern im flachen Wasser konnte ich ein paar entspannte Bahnen ziehen und Hannes im Halbschatten chillen.
Nach gut einer Stunde setzten wir unsere Fahrt zu Monika fort, die für uns schon lecker ungarische Gerichte gekocht hatte.
Nachdem Monika uns ein perfektes ungarisches Frühstück servierte, machten sie sich auf den Weg zu einer Überraschungsparty und wir gönnten der Bertha eine Auszeit und machten uns zu Fuß Richtung Érd felsö Bahnhof. Von hier war ich während meiner Besuche in vergangenen Jahren immer mit dem Vorortzug nach Budapest gefahren, warum also heute ein neues Experiment wagen…
Nach gut 10 Minuten Wartezeit war der Zug auch schon da und im Gegensatz zu dem was ich so bei DB Regio in Deutschland gewöhnt bin, ein Fahrzeug das nicht nur modern sondern auch auffällig sauber und nicht zugetaggt war.
Im Vorortzug der ungarischen MÁV
Anders als ich es in Erinnerung hatte fuhren wir aber statt zum Déli zum Kelenföld Bahnhof, was seit der Eröffnung der neuen Metro kein Problem war auch von dort gut weiterzukommen. Um keinen Stress mit Einzeltickets zu bekommen, haben wir die Budapest 24 órás jegy am Automaten gekauft, die sich eigentlich lohnt wenn man schon 2-3 Fahrten am Tag macht.
Unser erstes Ziel war das Szechenyifurdo im Stadtwäldchen. Eigentlich bin ich seit meinem ersten Besuch 1988 immer wenigstens einmal hier schwimmen aber auch entspannen gegangen. Im Laufe der Jahre hat sich aber auch hier Eines definitiv verändert, der Preis. Für uns Beide recht üppige 65€ zu zahlen war aber trotzdem jeden Cent wert, sowohl die Aussenbecken als auch die Thermalbäder und Saunen waren nach den Tagen zuvor Wellness pur.
Die Stunden purzelten nur so und da wir ja noch mehr Budapest mitnehmen wollten, sind wir halb Vier nach einem kurzen Fußweg über den Heldenplatz wieder in die älteste U-Bahn Europas die Metro 1 Richtung Vaci ut gestiegen.
Hősök tere
Was mir auf der Vaci Straße sofort aufgefallen ist, es gibt keine Bettler, keine Zigeuner und sonstige ungebetene Gäste mehr. Während es früher hier fast unmöglich war wegen allem möglichen angesprochen zu werden, konnte man hier total entspannt durch die Gassen schlendern.
Die nächste Station war ein für viele Leute eher nebensächlicher Ort, für mich aber der Beginn einer großen Leidenschaft. Genau hier konnte ich vor fast 40 Jahren meinen ersten McDonalds Big Mac essen… es war damals die erste Filiale im Ostblock und für mich sowas wie eine Sensation. Hannes konnte das gar nicht verstehen, für ihn gibt’s McD schon immer.
McD an der Vaci ut
Wir liefen die Straße noch weiter hoch, genau bist dem Parkplatz an der Elisabeth Brücke, wo man mir damals den wunderschönen 5er BMW innerhalb von 20 Minuten geklaut hatte.
Der nächste Stopp war in der alten Markthalle am Donauufer. Als ich auf der Suche nach ungarischen Pfirsichen nicht fündig wurde stieß ich aber auf einen Stand mit original russischen Kaviar und konnte mich erinnern, dass unser langjähriger Trucker Andy mich vor vielen Jahren schonmal bat, wenn ich denn mal wieder da bin, an ihn zu denken. Diesmal hat es geklappt und ich habe für Opa auch gleich noch ein Glas eingepackt.
Zurück zum Kelenföld Bahnhof ging es traditionell mit der Straßenbahn 49, die immer noch die aus den 50ern stammenden Wagen betreiben.
Die gute Tat des Tages war dann noch die Übergabe der Tagestickets an eine sichtlich erfreute spanische Studentin, die vorher vergebens versuchte am Automaten ein Ticket zu ziehen.
Da es am nächsten Morgen Richtung Heimat gehen sollte, machten wir in Érd dann doch noch die Bertha flott um uns im Tesco mit Salami, Paprika und frischem Knoblauch einzudecken.