Die erste Nacht in Sankt Petersburg war aufgrund der ewig langen Wartezeit an der Grenze natürlich eher kurz. Eher zufällig fand ich im Hotel eine unverschlossene Tür die mich direkt zum Schwimmbad führte, also statt joggen erstmal ein paar Bahnen geschwommen. Inzwischen war auch Hannes erwacht und wir konnten in den Tag starten, natürlich nicht ohne Frühstück. An der Grenze gab es gar nichts, also ernährten wir uns am Vortag ausschließlich von Keks und Sprudelwasser, entsprechend tief hing uns der Magen.
Aus Starbucks wurde Stars Coffee
Das Valo Ramada hat zwar auch Frühstück angeboten, allerdings zu recht überzogen wirkenden Preisen, weshalb wir in das gegenüberliegende Shopping Center gegangen sind und dort alle uns bekannten Ketten unter neuem russischen Branding fanden.
Burgerking auf russisch
Unser Frühstück gab es dann bei Биргер Кинг in der dritten Etage.
Wir kauften am Fahrkartenschalter 2 Fünftageskarten für die Metro (und alle anderen Busse und Straßenbahnen in der Stadt) und machten uns auf den Weg zum Winterpalast um einen Blick in die berühmte Eremitage zu werfen.
Eingangsportal der Eremitage
Schon der Treppenaufgang zu den Ausstellungen war so beeindruckend, dass es einem den Atem raubte. Wir suchten uns nur einzelne Räume und Künstler aus, sonst hätte dieser Ausflug mit Sicherheit den ganzen Tag verschlungen.
Nikolaus Marine Kathedrale
Hannes ausdrücklicher Wunsch war es mindestens 3 orthodoxe Kirchen in Sankt Petersburg zu besuchen und so fiel die erste Wahl auf die Nikolaus Marine Kathedrale, benannt nach dem Schutzpatron der Schifffahrt. Was wir nicht wissen konnten, war das genau zu der Zeit der höchste Geistliche des Hauses sein tägliches Gebet direkt neben uns abhalten würde. Es war sehr beeindruckend für uns, gerade wenn man so etwas noch nie zuvor erlebt hatte.
Tagesgebet in der Nikolas Kathedrale
Der weitere Spaziergang durch die Stadt führte uns zum Narva Triumphbogen und die daneben befindliche Metrostation Kirovsky, über die wir wieder zurück zur Bucharestkaya kamen, direkt neben unserem Hotel.
Der Narva Triumphbogen an der Kirowskaya
Der fehlende Schlaf vom Vortag und die gelaufenen Kilometer durch die Stadt forderten dann ihren Tribut. Wir fielen einfach nur noch ins Bett und freuten uns schon mächtig auf Tag 2 in dieser wunderschönen Stadt.
Der Morgen des 7. Juli zeigte sich mit strahlendem Sonnenschein und aufgrund unserer inzwischen erreichten geografischen Breite schien sie bereits seit dem frühen Morgen durch die nicht wirklich abgedunkelten Hotelzimmer. Nach einem eher überschaubaren Frühstück im Hotel Relax tankten wir die Bertha nochmal voll, bevor es auf die etwa 50km lange Strecke bis zur russischen Grenze ging.
Die E262 in Richtung Grebneva
Ich fuhr eine halbe Stunde zu früh an die Grenzstation auf lettischer Seite vor. Es stand dort niemand, und wurde wieder zurückgeschickt und solle erst vorfahren wenn ich die SMS der lettischen GoSwift Grenzwarteschlange bekommen habe. Die kam ziemlich genau 15min. später um 11:45. Die Grenzabfertigung dauerte dann etwa 5min. und die Zollabfertigung auf estnischer Seite etwa 15min. (plus nochmal 10min. weil wir erst fälschlicherweise ins Hauptgebäude gegangen waren, die Zöllner sitzen aber gleich weiter hinten in der Spur). Dann ging es weiter zum russischen Tor, erst jetzt war uns klar, dass wir bereits die EU verlassen hatten. Der erste Grenzposten prüfte unsere Pässe und Fahrzeugpapiere und gab uns die Migrationskarten zum ausfüllen und einen Laufbon. Am Tor 1 wurden erst mehrere LKW vorgelassen und nach weiteren 30min. durften wir zum eigentlichen russischen Grenzposten vorfahren. Die Grenzabfertigung startete nach etwa 15min. Hannes sollte nach der Abgabe des Passes wieder ins Auto steigen, ich wurde direkt zum FSB Interview ins dortige Hauptgebäude gebracht. Dort wurde mir erstmal mein IPhone abgenommen und ich durfte nach etwa 10min. in einen Raum mit FSB Agentin und einem ca. 18jährigem Anwärter, der sehr gut Englisch dolmetschen konnte geführt. Das Interview war sehr einfach gefasst, die meisten Fragen waren bereits bei der Passabgabe auf einem Blatt abgefragt worden. Die primären Dinge bezogen sich auf die EU Maßnahmen in Bezug auf die Unterstützung der Ukraine und wie man dazu steht oder ob man bereits Militärdienst geleistet hat. Natürlich wird auch gefragt wohin und warum man dorthin reisen möchte. Unsere Reise war ja rein touristisch, also gab es keine weiteren Nachfragen und ich wurde wieder zum Fahrzeug gebracht. Nach etwa einer weiteren halben Stunde bekamen wir die Pässe nebst abgestempelter Immigrationskarte zurück und ich durfte recht zügig an einer für uns aufgemachten Spur zum russischen Zoll vorfahren. Zu diesem Zeitpunkt waren 3 Spuren für PKW in Benutzung und ganz links stand ein einzelner MB Sprinter. Ich wurde sofort an den Schalter gebeten, da ich aber nur schlecht russisch sprechen kann bemühte man sich mir die erforderlichen Deklarationen in Englisch auszudrucken. Ich sollte die Scheine vollständig ausfüllen und zur Kontrolle wieder abgeben. Natürlich passierten beim Ausfüllen ein paar Fehler, also begann das ganze Prozedere wieder von vorn und damit es besonders viel Spaß macht in doppelter Ausführung. Irgendwann schrieb die Zöllnerin das, was ihr wohl immer noch fehlte dann doch selbst rauf und schickte mich wieder zurück zu Hannes ins Auto.
Die Zollabfertigung auf russischer Seite
Wir beobachteten das Geschehen um uns herum und konnten erkennen, dass es tatsächlich nur eine Abfertigung gleichzeitig gab und zwar von der rechten zur linken Spur. Es wurde immer als erstes ein Röntgen des Gepäcks im Hauptgebäude gemacht und alles was unklar war musste geöffnet und vor Ort ausgepackt werden. Dann wird das Gepäck zurück zum Auto gebracht, darf aber noch nicht eingeladen werden. Es folgt dann eine Sichtprüfung am Wagen, alle Türen, Motorraum, Kofferraum und Tankdeckel müssen geöffnet werden. Es wird mit Spiegeln und Lampen alles optisch durchsucht. Dann kommt nach einer Weile ein weiterer Zöllner mit Hund und lässt dessen Spürnase durch das Fahrzeug schweifen. Dieses Prozedere konnten wir nun an allen 9 Fahrzeugen vor uns beobachten, während aus dem Sprinter in der ganz linken Spur ein kompletter Flohmarkt mit chinesischen Artikeln ins Hauptgebäude gebracht wurde. Nach 3 weiterenStunden, es war inzwischen bereits 19:00 Uhr, waren immer noch 5 Fahrzeuge vor uns. Um kurz nach halb zehn begann dann endlich unsere Abfertigung. Wie fast alle vor uns musste auch die Bertha noch zum Röntgen gefahren werden. Hannes musste das Gepäck neben das Hauptgebäude bringen um dort auf mich zu warten. Ich fuhr in einer PKW Kolonne an eine alte Fabrikhalle, die sehr an die Szenerie aus der HBO Serie Chernobyl erinnerte und hielt nach dem Techniker Ausschau, der die vermeintlich letzte Untersuchung durchführen sollte. Der ließ allerdings erstmal wieder 2 weitere Trucks vor, bis ich hinein durfte. Die dortige Rampe hatte bestimmt schon tausende andere Autos in ihrem Arbeitsleben gesehen. Ich stieg aus, ging mit dem Techniker in einen Nebenraum und nach einer Weile wieder zurück zum Auto um wieder zurück zum Hauptgebäude zu fahren. Hannes saß dort nun bestimmt eine Stunde im wahrsten Sinne auf unseren gepackten Koffern. Tony, ein netter Lette aus der Warteschlange neben uns, der immer wieder uns mit seinem Englisch uns gut helfen und übersetzen konnte, musste sein Gepäck dort nochmal ausladen, weil man sein Reserverad zusätzlich inspizieren wollte. Er bekam trotzdem noch vor uns seine Einreisepapiere und wir dann unsere ziemlich genau um 00:00, also 12 Stunden nachdem wir etwa 200m entfernt an den ersten Posten vorgefahren waren.
Warten auf die Einreisepapiere
Ich nutzte die Möglichkeit ihn und seine Frau zu befragen, ob das dort immer so läuft und er sagte nur, dass sie vor einem Jahr schonmal insgesamt 48 Stunden dort verbracht hätten und das heute noch echt schnell ging. Für uns war es eine sehr schöne Erfahrung, wie easy und einfach es inzwischen an den Grenzen im Schengenraum abläuft, wenn man bedenkt das derartige Zollmodalitäten früher an jeder Grenze gängige Praxis waren. Wir entrichteten dann an der letzten Schranke die 300 Rubel PKW Maut und starteten Richtung Sankt Petersburg.
Noch kurz bevor wir losfuhren kam ein russischer Fahrer zu mir, nachdem er unser Kennzeichen gesehen hatte und sagte in gebrochenem deutsch , wir sollen auf dem Weg lieber noch tanken, weil es in der Stadt wohl gerade schwer sei, an Treibstoff zu kommen. Diesen Hinweis haben wir sofort aufgegriffen und sind mitten in der Nacht an eine kleine Tanke gefahren, die uns aber nicht erlaubte Diesel in den Reservekanister zu pumpen. Hmm, na dann eben nur ein paar Liter in die fast noch volle Bertha und los, etwa 480km bis zum Hotel in Sankt Petersburg.
Die noch in Deutschland bestellte Yesim Telefonkarte buchte sich sofort ins russische Netz ein und die installierte Yandex Maps App navigierte uns durch die Nacht.
Die Stadtgrenze von Sankt Petersburg ist erreicht
Um halb fünf in der Früh erreichten wir unser Ziel und tatsächlich eine Gazprom Tankstelle mit Diesel im Angebot. Die Bertha wurde vollgetankt und auch der Reservekanister bekam noch was ab, bevor wir ins Valo Ramada eincheckten, dass ich schon Wochen vorher reserviert hatte. Da wir die Stadt mit den Öffis erkunden wollten, kam Bertha ins Parkhaus und wir endlich ins Bett.
Schon nach Abschluss unserer Balkanreise 2025 entstand die Idee mit unserem zuverlässigen Begleiter BERTHA eine Reise Richtung Russland zu machen. Wir konnten uns nur damals nicht ausmalen, wie durch die antirussische Politik aus Brüssel uns dieser Trip erschwert werden würde.
Am Nachmittag des 5. Juli 2026 war es dann soweit, die inzwischen notwendigen Papiere, Visa und selbst eine russische МИР Geldkarte im Rucksack setzen wir uns in Bewegung.
Es war eine goldrichtige Entscheidung schon am Nachmittag vorzufahren, da selbst die Strecke von knapp 600km bis zur Zwischenübernachtung im polnischen Tłuszcz etwa 50km hinter Warschau sehr langwierig wirkte (was aber vielleicht auch daran gelegen hatte, dass ich am Vorabend noch mit Knorkator auf der Rockharz Bühne stand).
Zwischenstopp im litauischen Jonava
Ausreichend gestärkt und nochmal nachgetankt ging es am Montag morgen weiter Richtung Lettland. Auf halber Strecke gab es in Jonava in Litauen einen Kaffeestopp um Energie zu tanken.
Kurz hinter der lettischen Grenze besuchten wir die Festung Daugavpils. Hier waren offensichtlich die Fördergelder aus Brüssel noch nicht angekommen, denn außer der komplett restaurierten Polizeidirektion boten die anderen Bauwerke ein eher ernüchterndes Bild.
Polizeidirektion Daugavpils
Das heutige Tagesziel hieß Reznike, eine Kleinstadt etwa 50km von der russischen Grenze entfernt. Und das wir jetzt schon so nah dran sind, merkte Hannes auch in der örtlichen Hesburger Bude. Die Jungs am Nebentisch sprachen alle Russisch.
Das Hotel Relax gehört mit zum neugebauten Olympia Sportkomplex und sowohl Sportplatz als auch Aussenbecken waren zugänglich.
Die nächsten Tage unserer Reise waren von Ausflügen in die nähere und auch wie am Beispiel Ullapool weitere Entfernung geprägt.
Auf dem Weg in die Highlands
Wir hatten durchgängig Glück was das Wetter betraf. Steffen nutzte jeden Stop für Landschaftsfotografien.
In der Nähe von Lairg liefen wir einen kleinen Pfad entlang um zum Wasserfall Falls of Kirkaig zu gelangen. Obwohl der Abstieg recht rutschig und stellenweise gefährlich war entschädigte die Aussicht für die Mühe.
Falls of Kirkaig
Ein weiterer Stop war wie auch schon auf unserer ersten Schottlandreise die Ruinen des Ardwreck Castle an der A837 nicht weit weg von Skaig Bridge.
Gruppenfoto am Ardwreck Castle
Um unsere Vorräte aufzufüllen und einen leckeren Latte zu trinken, ging es auch nach Ullapool weiter südlich.
Hafen von Ullapool
Das absolute Highlight entdeckten wir dann am Schlusspunkt unserer Reise. Im nahegelegenen Lochinver gibt es den Lochinver Larder, ein für seine Pies mehrfach ausgezeichneter Laden mit Bistro. Obwohl ich eher kein Fan dieser angelsächsischen Speise bin, ließ ich mich eines besseren belehren und wurde nicht enttäuscht. Bei einer weiteren Reise wird mit Sicherheit hier wieder Station gemacht.
Pies im Lochinver Larder
Wieder einmal viel zu schnell vergingen unsere Tage im schottischen Hochland. Am 14. Oktober 2025 hieß es für uns Abschied zu nehmen. Mit dem Mietwagen ging es zum Airport Inverness und dann über London Heathrow 5 zurück nach Berlin.
Heute nun starteten wir den nächsten Versuch zum Old Man of Stoer. Steffen hatte wieder frische Schlüpfer und wir bewegten uns nach dem leckeren Frühstück in Richtung Norden.
Anders als beim Versuch 1 nahmen wir diesmal die Route vom Stoer Lighthouse, was nur 15min. Autofahrt vom Cottage entfernt war. Der recht beschwerliche Weg führte über den geographischen Trigpoint Stoer der direkt auf der Spitze des Berges war. Dort angekommen erwartete uns eine extreme Brise, wir konnten uns kaum auf den Beinen halten.
Direkt hinter dem Trigpoint ging es wieder bergab und wir waren in einem Windschatten. Nach gut einer halben Stunde erreichten wir den Old Man, einen spekakulären Sea Stack.
Der Rückweg war auch eher matschig und nachdem Steffen gefühlt ne halbe Stunde später am Lighthouse ankam, waren seine frischen Klamotten reif für die Waschmaschine.
Tja irgendwie hatte es der Gepäckgott nicht wirklich gutgemeint. Auch am Vormittag ließ der Kurier noch auf sich warten. Wir blieben also in der unmittelbaren Nähe underes inzwischen liebgewonnenen Cottage. Marcel und ich streiften den Küstenabschnitt entlang, während Steffen aufs Gepäck wartete.
Endlich wieder frische Klamotten
Pünktlich zum Afternoon Tea fuhr ein Van vor und tatsächlich, der Koffer war wieder da.
Unser gemeinsamer Tag #2 stand voll im Zeichen des Wartens auf Steffens Rimowa Koffer. Während es gestern am Flughafen noch hieß er kommt mit der ersten Maschine aus London, sollte sich das als Falschmeldung herausstellen, er war tatsächlich erst in der Nachmittagsmaschine und damit dann natürlich nicht mehr zustellbar bei uns im Nichts.
Schafe im Hochmoor
Um die Mittagszeit entschieden wir einen Fußmarsch zum Old Man of Stoer zu wagen, der gemessen an der Landkarte eigentlich gar nicht so weit weg sein sollte. Hmm, war er aber dann doch. Wir waren noch nicht einmal ne halbe Stunde gelaufen, da hatte Steffen schon mehr Wasser in seinen Schuhen als im nahegelegenen Loch. Wir machten also lieber auf halber Strecke kehrt und kamen so in den Genuss bei schönstem Wetter an der Steilküste entlang laufen zu können.
Blick auf die Culkein Bay
Relativ Fußnass kamen wir dann am späteren Nachmittag wieder im Cottage an und da wirklich niemand heute noch irgendwo hinfahren wollte habe ich kurzerhand einen kleinen Kuchen für alle gebacken, die Zutaten waren in der Küche zu finden. Darunter auch Bicarbonat als Backpulver Ersatz. Okay, ich hatte ein wenig übertrieben und der Luchen ging zwar prächtig auf, hatte aber leider doch einen eher bitteren Nachgeschmack.
Marcel hat der Kuchen gar nicht geschmeckt
Nach sehr schönen und intensiven Gesprächen ging unser zweiter Tag dann auch viel zu schnell zu Ende.
Es muss etwa 6 Jahre her gewesen sein, als wir in vertrauter Runde uns vom schottischen Highland wieder Richtung europäischen Festland verabschieden mussten. Was dann kam, wird in den Geschichtsbüchern als Corona-Pandemie erscheinen, für uns war es die erste Zeit ohne jährlichen Schottland Trip.
Im Frühjahr begann ich mit den Planungen für die Wiederbelebung unserer alten Tradition und wurde im kleinen Fischerdorf Culkein an der Eddra hillis Bay fündig. Ein kleines aber feines Cottage mit allem was für eine entspannte Woche von Nöten war.
Bei British Airways fand ich eine Umsteigeverbindung über London Heathrow und Marcel buchte sich von dort genau den Anschluss Flieger nach Inverness, damit wir im gleichen Flugzeug sitzen.
Am Vorabend habe ich mir dann doch die blaue große Reisetasche aus dem Keller geholt und spontan zwei Jogginghosen und die noch nie getragenen Doc Martin Boots eingepackt, besser man hat als man hätte.
Der Morgen begann eher normal, nur das nachdem Tilda an der Schule abgesetzt war es diesmal gleich mit Steffen direkt zum Bahnhof und von dort mit S-Bahn und Flughafenexpress zum Berlin-Brandenburg International, oder wie er jetzt heißt BER Airport, ging.
BA982 ist zum Einsteigen bereit
Mit ausreichend zeitlichen Puffer, man hatte vor ein paar Tagen die Abfertigungssoftware gehackt, kamen wir dort an um uns in die Länge Schlange am BA Counter einzureihen um unser Gepäck loszuwerden. Spätestens als unsere Labels händisch mit Kugelschreiber ausgefüllt wurden, hätten wir misstrauisch werden müssen aber egal, Gepäck war aufgegeben und wir stolzierten durch die Security zum Gate. Mit gut 15min. Verspätung hob BA 982 Richtung London ab. Okay es waren nur 55min. Umsteigezeit in LHR vorgesehen, aber im gleichen Terminal sollte das ja kein zu großes Problem sein, dachten wir.
Nach einer Ehrenrunde über Londons Eastend setzte der Vogel pünktlich auf und wir machten uns auf den Weg zum Anschlussgate, wo ja Marcel schon auf uns wartete. „Follow the purple signs“ war die Anweisung für alle Transfer Passagiere. Also los, immer der lila Linie nach. Nach einigen hundert Metern wurde unser Marsch abrupt gestoppt, als wir links zum Gate A19 abbiegen wollten. „Sorry, you are too late. Please proceed to the ticket counter to rearrange something.“ Waaas, nicht ihr Ernst. Es waren noch 45min. bis zum Anschluss. Ich begann also wild zu diskutieren und konnte in einem Moment, wo einige andere Transfer Passagiere durchgelassen wurden mit Steffen mitrennen. Was wir da noch nicht wussten, alle Umsteiger müssen in Heathrow nochmal komplett durch Pass- und Security laufen und das dauerte und dauerte und dauerte. Marcel rief inzwischen schon aufgeregt an, weil bei ihm am Gate war schon „Last call“. Rennend erreichten wir ihn und das Gate, was tatsächlich hinter uns geschlossen wurde.
Inverness Airport
Erleichtert und frohen Mutes hohen wir Richtung Inverness ab, wo wir gut eine Stunde später bei schönstem Wetter landeten. Jetzt erinnerte ich mich wieder an diesen kleinen Flughafen hier im Norden, wo wir beim letzten Trip mit easyJet ankamen. Was leider nicht ankam, war Steffens Koffer. Ein Wunder, dass es meine große Reisetasche gepackt hatte, vom silbernen Rimowa fehlte aber jede Spur, genauso wie von gefühlt 30 weiteren Fluggästen, die genauso verdutzt schauten wie er. Während ich mich um den Mietwagen kümmerte., füllten die Beiden einige Formulare aus und mit gut einer Stunde Verspätung machten wir uns auf den Weg in unser Haus im Nirgendwo.
Ich hatte einen Shopping Stop im Lidl Dingwall empfohlen, da es in der Nähe unserer Unterkunft schlicht nicht wirklich eine gute Versorgung gibt. Vollgepackt und Marcels VISA um 200 Pfund ärmer, fuhr ich den Toyota in gut 2 Stunden ans Ziel. Zwischenstopps machten wir keine mehr, ankommen war die Devise.
252 Culkein, unser Heim für die nächsten Tage
Tatsächlich, das Cottage war zwar nicht das prächtigste am Ort, aber es hatte Charme und vor allem eine neu installierte Zentralheizung mit Wärmepumpe. Ja, die musste erst in Betrieb genommen werden, aber Recht schnell wechselte die Zimmertemperatur von anfänglich frostigen 10 Grad auf wohlige 21.
Nachdem die Einkäufe verstaut und noch ein paar Betten gebaut waren, fielen wir in unseren wohlverdienten Schlaf (Steffen in den Klamotten die er schon den ganzen Tag an hatte).
An diesem Sonnabend den 05. Juli 2025 sollte es endlich losgehen. Wochen vorher stand bereits fest, es soll ein Trip über den Balkan werden und es sollte als Fahrzeug die BERTHA, unser alter Skoda Fabia herhalten.
Hier hatte sich die BERTHA schon als Umzugsfahrzeug bewährt
Die Familie hatte sich zum Abschied versammelt und Hannes platzierte noch das Gepäck sicher im Kofferraum. Mit Hupe und Winke-Winke ging es auf die große Reise.
An der HEM in Hohen Neuendorf wurde nochmal vorgetankt und es ging durch Berlin die A13 entlang Richtung Dresden. Der erste Stau erreichte uns kurz hinter Thiendorf, weil ein Feld brannte und die Piste erstmal vollgesperrt war. Das kostete uns gut eine Stunde, in Anbetracht der noch bis in die Slowakei zu fahrenden Kilometer eine zu verschmerzende Zeit, schließlich war die Stube für die Nacht schon dank AirBnB vorgebucht.
Die zweite Blockade des Trips ereilte uns schon kurz vor der tschechischen Grenze. Die Waze App schlug uns eine Landpartie durch Petrovice vor und GoogleMaps zeigte uns auch gleich an warum, die Autobahn Tunnel auf tschechischer Seite waren beide gesperrt. Also ging es durch das Erzgebirge ins CZ Gebiet, vorbei an dem kleinen Kiosk an dem es diese leckere Knoblauch Suppe gab zur bekannten Billigtankstelle ONO in Chlumec.
Ono in Chlumec bei Usti
Die Schlange der Wartenden war diesmal erstaunlich kurz, aber bei dem guten Preis für Diesel (an diesem Sonnabend waren es gerade mal 1,26€ der Liter) hätte sich auch ein längerer Stop gelohnt.
Ausreichend Zeit sich um die Maut für die tschechischen Autobahnen zu kümmern… unter der Adresse https://edalnice.cz/#/validation ist es inzwischen sehr easy die ehemalige Klebevignette jetzt als E-Vignette zu kaufen. Ich habe da gleich mal geschaut, wie es in der Slowakei läuft und nach einem Blick auf die Landkarte entschieden, dort nur über mautfreie Strecken zum Zwischenziel zu kommen.
Die tschechischen Autobahnen waren erstaunlich leer an diesem Sonnabend
Kurz vor Brünn navigierte uns die Waze von der Route auf eine Nebenstrecke, da es wohl einen kleinen Unfall gab den wir so gut umfahren konnten.
Grenze zur Slowakei nahe Kuty
Gleich hinter der slowakischen Grenzstation, die wir ohne Kontrolle passieren konnten ging es dann auf der Landstraße weiter nach Cifer, unser heutiges Tagesziel. Ich hatte auf AirBnB einen kleinen Bauernhof gefunden, der wenn auch etwas ab vom Weg sehr schön und auch sehr günstig war.
Eine riesige Lobby auf dem Landsitz in Cifer
Es war ein riesiges altes Anwesen, dass nun als Pension genutzt wird. Außer uns war dort niemand an diesem Abend. Maja die Gastgeberin empfahl uns Restaurant Lipa und Hannes bestellte sich einen Burger der so naja war, ich einen Ceasar Salat der aber richtig gut schmeckte.
Feines Böhmisches Bier
Gut gestärkt ging’s dann ins Bett, der folgende Tag hatte eine schon eine recht lange Wegstrecke vorhergesagt.
Der Sonntag zeigte sich von seiner besten Seite. Die Sonne lachte und zum Glück blieben die Traktoren aus, Hannes nutzte es um ausgiebig auszuschlafen und ich um meine 5km Runde zum Dorf und zurück zu joggen.
Nix los auf dem Bauernhof
Maja hatte uns frische Hörnchen und ein Kleines Frühstück in die Küche gelegt, dass wir gerne annahmen.
Da ich die slowakische Maut umfahren wollte, suchte ich einen Landweg um bei Komaróm die Donau und somit die ungarische Grenze zu überqueren.
Grenzbrücke bei Komarón
Da für Ungarn heute nur Transit geplant war, wir aber auf der weiteren Reise nochmal durchfahren werden, habe ich gleich eine Monatsvignette bei E-Matrica gekauft. Nach einem kurzen Tank- und Vesperstop bei Kescemet ging es dann bei Arad über die rumänische Grenze.
Grenze bei Arad
Irgendwie wollten die Kilometer zum Ziel nicht weniger werden. Je weiter wir nach Siebenbürgen unserem Ziel das Corvin Castle in Hunedoara kamen, umso wärmer wurde es. An einem noch nicht fertig gebauten Abschnitt der A1 bei Cosava hatte die BERTHA uns 47 Grad Außentemperatur angezeigt, ohne Klima wäre das eine Katastrophe gewesen.
Rumänische Häuserblöcke in Hunedoara
Während sich der Himmel sich spürbar verdunkelte und riesige Gewitterwolken aufzogen, erreichten wir das ehemalige Städtchen Eisenmarkt, heute Hunedoara. Hannes erschrak als wir in die Seitenstraße zu unserer heutigen Unterkunft abbogen. Hier schien seit Jahrzehnten die Zeit stehen geblieben. Mich erinnerte alles stark an die Reisen nach Russland und die Ukraine vor vielen Jahren. Unser heutiger Gastgeber war Claudiu und sein wirklich schönes Zimmer in dem doch sehr alten und unsanierten Wohnblock. Da wir es noch zur Burg schaffen wollten, nutzten wir eine Regenpause und liefen los… leider in die falsche Richtung. Nachdem ich merkte das wir uns immer mehr vom Ziel entfernten, statt zu nähern war es bereits zu spät. Die dicken schwarzen Wolken öffneten ihre Tore und es prasselte und donnerte auf uns nieder. Klitschnass fragte ich am nahegelegenen Kaufland mehrere Taxifahrer ob sie uns zum Castle oder wie man dort eher sagte Castelle fahren könnten. Beim dritten Fahrer hatten wir Glück, er akzeptierte meine VISA und wir stiegen ein. Kaum das er uns an der Burg ausstiegen ließ platschte es schon wieder los. Wir retteten uns unter einen Souvenir Stand und warteten den Schauer ab.
Sturzregen am Corvin Castle
Auf Regen folgt Sonnenschein und so war es uns nach 15min. Wartezeit vergönnt zur Burg hochzulaufen. Das Corvin Castle ist neben Schloss Bram wegen Graf Dracula eine der Hauptsehenswürdigkeiten in Transilvanien.
Schnappschuss vom Corvin Castle
Während es von außen einen mächtig gewaltigen Eindruck macht, waren wir im Innern eher ernüchtert, war es doch viel kleiner als eigentlich gedacht. Hannes ging bei den Eintrittsgeldern als Student durch und so war der Trip dorthin eine sehr günstige Sache (Taxi 13,50 Lei, Eintritt für uns beide 65 Lei).
Auf dem Rückweg zur Unterkunft kamen wir zu Fuß am noch aus alter Ostblockzeit stammenden Forschungsinstitut des dem Ort namensgebenden Eisenwerkes vorbei. Nach einer üppigen Portion Gyros ging’s dann ins Bett.