GoEast 2026 / Russland 🇷🇺 SPB Tag 2 und 3

Die nächsten beiden Tage im wunderschönen Sankt Petersburg standen komplett im Fokus der großen Paläste, einerseits dem Peterhof vor den Toren der Stadt und andererseits dem Katharinenpalast im ehemaligen Zarendorf Puschkin. 

Anders als offensichtlich alle anderen Touristen die mit dem Schnellboot anreisten, nahmen wir zum Peterhof den städtischen Bus und hatten dadurch die Chance durch den wunderschönen unteren Park zu laufen. 

Der untere Park am Peterhof

Der recht happige Eintrittspreis für Ausländer (ja, Russen zahlen tatsächlich weniger als die Hälfte) wurde jedoch durch die Schönheit der restaurierten und sehr gepflegten Parkanlage entschädigt. Es waren alle Brunnen und Wasserspiele in Betrieb und natürlich beeindruckte die Kaskade direkt am Palast am meisten. 

Die Wasserkaskade am Peterhof

Ich konnte mich noch gut an das Lied „Matrosen von Kronstadt“ erinnern, dass wir damals bei feucht-fröhlichen FDJ-Abenden gesungen hatten, also lag es Nahe, die auf der dortigen Festung gelegene orthodoxe Kathedrale abzuhaken. Die Yandex Maps App zeigte uns den richtigen Bus und nach knapp einer Stunde Fahrzeit waren wir in Kronstadt, was übrigens erst seit einigen Jahren überhaupt zugänglich ist, weil es bis dahin militärische Sperrzone war. 

Schon von weitem war die vergoldete Kuppel zu sehen, ihre wahre Schönheit zeigte sich aber erst im Innern. Wir waren von der schieren Größe überwältigt. Offensichtlich durch den jahrelangen Dornröschenschlaf ist diese Kathedrale ein bisher nicht touristisch ausgeschlachtetes Ziel und wurde zu unserem heimlichen Highlight der Reise. 

In der maritimen Nikolaus Kathedrale auf Kronstadt

Nach einem leckeren Latte ging es mit dem Bus zurück in die Stadt. Die kurz vor der Stadtgrenze zugestiegen Fahrkartenkontrolleure ermahnten uns, dass wir unsere Tickets beim einsteigen in den Bus auch validieren müssen. Ein nicht unwichtiger Hinweis, der uns hätte recht teuer zu stehen kommen können. 

Auf der Fahrt zurück in die große Stadt entdeckte Hannes den riesigen Gasprom Tower, der unser nächstes Ziel werden sollte. 

Gazprom Tower

Direkt gegenüberliegend wurden 3 riesige Fahnenmaste platziert, an denen die gigantischen Flaggen des Zarenreiches, der Sowjetunion und Russlands wehen. 

Riesige Fahnen

Ich hatte die Idee, das man zum Wochenende einen Ausflug nach Nowgorod machen könnte und wollte dazu am Moskauer Bahnhof mal wegen Fahrkarten nachfragen. Offensichtlich hatten aber auch gefühlt hunderte Andere die Idee nach Tickets zu schauen, also haben wir diesen Plan schnell verworfen. Wir ließen den Abend mit einem leckeren Essen in einem russischen Restaurant ausklingen. 

Am Freitag stand das ehemalige Zarendorf, heute Puschkin genannt, auf unserem Besuchsprogramm. Ich hatte wieder die uns inzwischen sehr lieb gewordene Yandex Maps App befragt und sie spuckte uns eine Fahrverbindung mit dem Überlandbus ab der Moskovskaya Metrostation aus. Leider unterschätzten wir wieder die schiere Größe dort, es gab gefühlt 10 Bushaltestellen und bis wir die Richtige gefunden hatten, war der Bus natürlich schon weg, also hatten wir 20min. Zwangspause.

Katharinenpalast in Puschkin

Unser Ziel sollte der berühmte Katharinenpalast mit dem erst kürzlich wiederaufgebauten Bernsteinzimmer sein. Relativ schnell konnten wir erkennen, dass offensichtlich auch noch viele andere Touristen sich da heute in die Warteschlange vor dem Ticketoffice einreihten. Unser Slot für den Palast war dann erst später am Nachmittag, also hatten wir noch ausreichend Zeit durch den angrenzenden Schlosspark zu wandern. Auch hier konnte man gut beobachten wie aufgeräumt und sauber dieses riesige Areal in Schuss gehalten wird.

Spiegelsaal des Katharinenpalastes

Pünktlich um halb Vier standen wir dann in der Reihe mit einer Gruppe weiblicher Senioren, wahrscheinlich aus einer weit entfernten russischen Kolschose, immerhin hatten sie alle ihre türkisen Kopftücher auf. Über eine marmorne und goldverzierte Treppe ging es direkt in den großen Spiegelsaal. Weder Hannes noch ich hatten je soviel Blattgold auf einem Haufen gesehen. Es ist schwer zu schätzen, aber ich denke das alleine in diesem Saal hunderte Kilogramm Gold verarbeitet worden sind. Während die russischen Touris alle ein kleines Headset hatten und direkt den flüsternden Erklärungen der Museumsführerin lauschten, konnten wir uns an den Kostbarkeiten satt sehen. Das große Finale war natürlich das Bernsteinzimmer, nicht mehr das von den Nazis deportierte Original, sondern die detailgereue und mit deutschen Geldern mitfinanzierte Reproduktion. Eigentlich ist es dort strengstens verboten, zu fotografieren … die Mädels und ich haben trotzdem einen Schnappschuss gewagt.

Das berühmte Bernsteinzimmer

Beim Abschluss des Rundganges wird man durch eine Bilderausstellung geleitet, die mir buchstäblich die Tränen in die Augen getrieben hat. Es wird dargestellt, wie die deutsche Wehrmacht das komplette Palastareal dort beim Abzug 1944 hinterlassen hat.Fast der komplette Palast wurde niedergebrannt, es standen von ursprünglich 55 Räumen nur noch die verkohlten Grundmauern von 20, der Rest wurde ein Opfer der Flammen. Wenn man das unter dem Apekt betrachtet, wie heute in Berlin und Brüssel wieder einmal gegen den sogenannten bösen Russen gehetzt wird, kann man nur noch fragen, ob dort denn niemand aus der Geschichte verwertbare Lehren gezogen hat.

Blick in den Führerstand der Elektritschka

Die Rückfahrt nach Sankt Petersburg absolvierten wir dann in der Vorortbahn „Elektritschka“ vom ehemaligen Zarenbahnhof. Die halbstündige Fahrt kostete lächerliche 80 Rubel, nicht mal 1 Euro. Sie endete im ältesten Bahnhof der Stadt, dem Vitebsky Bahnhof, der 1837 eröffnet und bis zu seinem Tode von Zar Nicholas I. regelmäßig für die Fahrt zum Palast genutzt wurde.

Wir nutzen die abendlichen Stunden noch für einen kurzen Walk zur Auferstehungskirche, auch eine der touristisch ausgeschlachteten Attraktionen der Stadt, aber schon die großen Tickethäuschen haben uns abgeschreckt auch nur einen Rubel hier auszugeben. Wir bewegten uns mit der Metro wieder Richtung Hotel und gönnten uns ein viel zu großes Abendbrot bei Rostics, wie KFC hier jetzt heißt, um mit viel zu viel im Magen ins Bett zu fallen.