GoEast 2026 / Russland 🇷🇺 SPB Tag 4 und 5

Unser Tag 4 startete bei bestem Wetter mit einem Ausflug zur Peter-und-Paul Festung. Ich durfte dort vor einigen Jahren schonmal Station machen, gemeinsam mit meinen Kollegen der Gruppe Knorkator weilten wir zwei Tage in der Stadt und hatten das gleiche Ziel, allerdings waren die Schlangen an den einzelnen Museen so lang, dass es bei einem einfahen Rundgang übers Gelände blieb. Heute waren zwar auch einige Reisegruppen dort unterwegs, aber anstehen mussten wir nirgends. Wir folgten der Empfehlung an der Zentralkasse gleich das Kombiticket zu kaufen, da man damit eigentlich alle Ausstellungen auf dem Areal besuchen konnte.

Peter-und-Paul Kathedrale

Unser erster Anlauf war die berühmte Kathedrale im Zentrum der Festungsanlage. In ihr sind die sterblichen Überreste fast aller Zaren Russlands aufbewahrt und der ücer 122m hohe Turm war bis zur Errichtung des Leningrader Fernsehturms das höchste Wahrzeichen der Stadt. Auch die aufgebahrten Särge der Romanows sind dort zu finden, aufgrund der bekannten Geschichte um die Ermordung Zar Nikolaus II. während der Sowjetrevolution ist es aber mehr als fraglich, ob es sich dort tatsächlich um die Originale handelt.

Grabstätte der Romanows

In den Kasematten der Festung sind viele weitere Museen zur Geschichte Sankt Petersburg aber auch zur Festung selbst untergebracht. Sehr interessant war ein Gang durch das ehemalige Gefängnis dort mit Verweis auf die doch teilweise sehr prominenten Insassen.

Blick ins Innere der Sojus-Kapsel

Der Besuch endete mit der Raumfahrtausstellung am Osttor, wo neben original Sojuskapseln auch auf die erfolgreichen Kosmonauten der Vergangenheit verwiesen wurde.

Kasaner Kathedrale

Den Nachmittag nutzten wir zu einem ausgedehnte Spaziergang Richtung Newskij Prospekt und Kasaner Kathedrale. Da beide Sehenswürdigkeiten in keinem Reiseführer fehlen, war es dort auch erwartungsgemäß überlaufen obgleich der Sakralbau schon sehr beeindruckend war. Da wir uns für den Folgetag die Rückkehr auf die Festung Europa vorgenommen hatten, blieb es bei diesem letzten Byebye und wir gingen ein letztes Mal bei BurgerKing essen.

Wir wählten den Sonntag als Abreisetag, da bekanntlich mit weniger Verkehr und hoffentlich weniger Wartezeit an der Grenze zu rechnen war. Nach einem schnellen Frühstück auf dem Hotelzimmer machten wir uns mit unserem Gepäck zum CheckOut und begrüßten Bertha in der Tiefgarage, die sich ja nun ein paar Tage ausruhen durfte. Ein wenig genervt vor der sich nicht öffnen wollenden Schranke organisierte Hannes Hilfe und es ging nach 10min. warten auf in Richtung Pskov. Unser weiterhin perfekt funktionierendes Yandex Maps navigierte uns zum Petschory Grenzübergang nach Estland. Seit den zunehmenden Spannungen zwischen der EU und Russland wurde eine Art Grenzgebiet in einem Streifen ca. 10km von der eigentlichen Grenze entfernt eingeführt, der nur mit speziellem Passierschein befahren werden darf. Davon wusste offensichtlich unsere Yandex Maps Navigation nichts, schließlich standen wir mitten im Wald vor einem Schlagbaum mit russichen Armisten und entsicherten Waffen. Mein Russisch reichte gerade noch auf die Frage, was wir denn hier wollen, zu entgegnen: Мы хотим до границы … was in etwa soviel hieß wie, wir wollen zur Grenze. Man räusperte sich, rief dem Anderen zu „Die Deutschen wollen zur Grenze.“ und der Schlagbaum öffnete sich. Nach 10min. Fahrt durch den Wald standen wir dann an einer kleinen Mautstation, den Grenzübergang schon in SIchtweite. Glücklicherweise waren auf der MIR-Karte noch ein paar Rubel und wir durften passieren.

Warten am russischen Zoll

Der erste Grenzposten kontrollierte unsere Pässe und Papiere und öffnete das Rolltor und ließ uns zum Zoll vorfahren. Vor uns waren zwei PKW, ein VW-Bus mit moldawischem Kennzeichen und ein Reisebus. Während es mit dem VW-Bus wohl einige Probleme gab (er musste zurück rangieren und wir haben ihn im weiteren Verlauf auch nicht mehr gesehen) durften wir recht zügig vorfahren. Während die Bertha inspiziert wurde, gingen wir mit unserem Gepäck zum Röntgen ins Hauptgebäude. Eine etwa 70jährige Frau sprach uns in akzentfreiem Deutsch an, ob wir Antiquitäten oder ähnliches dabei hätten. Ich zeigte ihr die beiden als Souvenier gekauften Matroschka-Puppen, sie winkte aber gleich ab. Nachdem es an unserem Gepäck nichts zu bemängeln gab wurden wir wieder zum Auto geschickt, das bereits auch schon abgefertigt war und durften zur Ausreise vorfahren. Dort gab es nur noch zwei Stempel in unsere Pässe und die Schranke öffnete sich um halb drei. Vor uns wehten auf der anderen Seite des kleinen Flusses Piusa Jögi die blauen EU-Fahnen leicht im Sommerwind und wir stellten uns hinter einigen PKWs an. Was wir bis dahin nicht wussten, der Grenzübergang Koidula auf der estnischen Seite hat seit kurzem nur noch von 7:00 Uhr früh bis 19:00 Uhr abends geöffnet und fertigt etwa 2 Fahrzeuge pro Stunde ab. In dem Tempo wird das auch für uns eine knappe Kiste da heute noch rüber zu kommen.

Koidula in Sichtweite

Gegen 17:30 Uhr sprang unsere Ampel auf grün und wir durften vorfahren. Wie an allen anderen Grenzübergängen sprangen wir aus der Bertha, wurden aber sofort und mit gedrilltem Ton wieder zurück ins Auto gerufen. Andere Länder. Andere Sitten. Nach kurzer Zeit kam dann eine Zollbeamtin und bat mich auszusteigen, Hannes musste sitzen bleiben. Ich zeigte den Kofferraum und unser Gepäck, sie fragte nach russischen Einkäufen. Ich zeigte ihr pflichtbewusst die für Flori gekaufte Stange „Pjotr“ Zigaretten. Welch kapitaler Fehler, sie fragte ob ich denn nicht wüsste das russischer Tabak in der EU verboten sei. Da half auch kein verweis auf meine Einkäufe in Polen, wo es ja seit jeher erlaubt ist eine Stange zollfrei mitzunehmen. Die Kippen durfte ich in eine Plastiktonne werfen und die Bertha musste dann auch nochmal komplett durchleuchtet werden. Dabei entdeckte man in meinem Rucksack die Milch, die ich für alle Fälle morgens noch aus dem Kühlschrank nahm und erklärte mir, das sei auch verboten weil es gefährliche russische Bakterien enthalte. Ich wollte sie ausgießen aber der Beamte verneinte nur und sagte, beim nächsten Mal nicht machen. Es war glaube ich der Schlüsselmoment für mich, mich darauf festzulegen, dass es hier für ich auf unbestimmte Zeit wohl kein nächstes Mal geben wird.

Koidula erreicht

Sichtlich erleichtert erreichten wir dann um kurz nach 18:00 Uhr wieder die EU und steuerten unser heutiges Übergangsziel die estnische Hauptstadt Tallin an.